Eine Private-Debt-Finanzierung setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: dem variablen Basiszins — dem 3-Monats-Euribor, am 3. Juni 2026 bei 2,299 Prozent — der Marge nach Rangstellung (deutsche Unitranche rund 525 Basispunkte) und einmaligen Gebühren. Für eine Mid-Cap-Unitranche ergibt das einen All-in-Yield von grob 8 Prozent.
Private Debt ist teurer als ein klassischer Bankkredit — das ist unstrittig. Entscheidend ist aber, woraus sich diese Kosten zusammensetzen und wofür der Aufpreis steht. Dieser Überblick zerlegt die Kosten in ihre Bestandteile: Basiszins, Marge, Standardgebühren und versteckte Faktoren. Den übergeordneten Überblick zu Private Debt im Mittelstand liefert die Pillar-Seite; hier geht es konkret um den Preis.
Woraus setzen sich die Kosten einer Private-Debt-Finanzierung zusammen?
Die Gesamtkosten ergeben sich aus drei Komponenten: dem variablen Basiszins (Euribor), der Marge des Kreditgebers und einmaligen oder laufenden Gebühren. Der All-in-Yield ist die Summe dieser Komponenten über die Laufzeit.
Der Basiszins ist marktgetrieben und für alle Kreditgeber gleich; die Marge spiegelt das Risiko der jeweiligen Rangstellung wider; die Gebühren bilden den Aufwand für Strukturierung, Bereitstellung und Verwaltung ab. Eine deutsche Mid-Cap-Unitranche kostet derzeit rund Euribor plus 525 Basispunkte, was vor Gebühren grob 7,5 Prozent entspricht. Mit Gebühren steigt der effektive Yield um rund 50 bis 100 Basispunkte pro Jahr auf einen All-in-Yield von grob 8 Prozent.
Wie hoch ist der Basiszins (Euribor) aktuell?
Der maßgebliche 3-Monats-Euribor lag am 3. Juni 2026 bei 2,299 Prozent, der 6-Monats-Euribor bei 2,549 Prozent. Der Euribor ist der variable Referenzzins für die meisten Private-Debt-Finanzierungen in Europa.
Über den Euribor wird die Marge gelegt; zusammen ergeben sie den laufenden Zinssatz, der sich mit jedem Zinsfeststellungstermin an den Markt anpasst. In der Regel wird ein Floor bei 0 Prozent vereinbart, sodass der Basiszins nicht negativ werden kann. Geldpolitischer Bezugspunkt ist der Einlagesatz der Europäischen Zentralbank, der seit dem 11. Juni 2025 unverändert bei 2,00 Prozent liegt. Die aktuellen Sätze sind börsentäglich bei euribor-rates.eu (auf Basis der offiziellen EMMI-Daten) abrufbar.
Wie hoch ist die Marge nach Seniorität?
Die Marge steigt mit sinkender Rangstellung — von der niedrigsten Senior-Marge bis zu zweistelligen All-in-Yields bei nachrangigen Tranchen. Als belastbarer europäischer Anker dient die deutsche Unitranche-Marge von rund 525 Basispunkten (Carlsquare, Q3 2025) sowie der Lincoln European Senior Debt Index mit einer Rendite von 9,4 Prozent zum 30. September 2025.
Zur groben, ausdrücklich illustrativen Orientierung nach Seniorität lassen sich folgende Margenbänder heranziehen: Cash-Flow-Senior etwa 400 bis 475 Basispunkte, Unitranche rund 450 bis 575, Second Lien 700 bis 800, Subordinated Debt 11,5 bis 14 Prozent All-in und HoldCo PIK rund 10 bis 17 Prozent. Wichtig einzuordnen: Diese granularen Bänder sind US- und SOFR-basiert, illustrativ und nicht öffentlich verifizierbar — europäische Margen liegen historisch rund 50 bis 100 Basispunkte enger; belastbar bleiben die oben genannten europäischen Anker. Welche Struktur hinter welcher Marge steht, erklärt der Strukturen-Leitfaden im Detail.
Welche Gebühren kommen zur Marge hinzu?
Über die Marge hinaus fallen typischerweise drei Gebührenarten an, die den effektiven Yield um rund 50 bis 100 Basispunkte pro Jahr erhöhen. Sie sind teils einmalig, teils laufend.
- Original Issue Discount (OID) bzw. Arrangement Fee: ein Abschlag auf den Auszahlungsbetrag bzw. eine Strukturierungsgebühr von typischerweise 2 bis 3 Prozent, einmalig bei Auszahlung.
- Commitment Fee: rund 1 Prozent pro Jahr auf den zugesagten, aber noch nicht gezogenen Teil der Fazilität.
- Call Protection (Vorfälligkeitsschutz): in Europa meist als Soft Non-Call ausgestaltet — eine vorzeitige Rückzahlung ist möglich, aber mit einer Prämie verbunden, die typischerweise über die ersten ein bis zwei Jahre abschmilzt.
Der OID verdient eine genauere Betrachtung: Der Kreditnehmer erhält weniger als den Nennbetrag ausgezahlt, muss aber den vollen Nennbetrag zurückzahlen. Wirtschaftlich wirkt er damit wie eine vorab gezahlte Gebühr und hebt den effektiven Yield über die Laufzeit an.
Was kostet Private Debt im Vergleich zum Bankkredit?
Auf Margenebene kostet eine deutsche Unitranche rund 525 Basispunkte gegenüber rund 377 Basispunkten bei einem Bankkredit — ein Aufschlag von etwa 150 Basispunkten. Auf Ebene des absoluten Zinssatzes ist der Abstand größer.
Zur Einordnung: Das durchschnittliche Neugeschäft der Banken für Unternehmenskredite über 1 Million Euro lag im September 2025 — am Ende des dritten Quartals 2025 und damit auf derselben Zeitbasis wie die Carlsquare-Margen — bei rund 3,13 Prozent (Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik). Dieser Wert umfasst überwiegend gut besicherte, bonitätsstarke Kredite und ist daher nicht eins zu eins mit einer gehebelten Mid-Cap-Unitranche vergleichbar — er zeigt aber die Größenordnung. Der Aufpreis von Private Debt ist kein Selbstzweck: Er bezahlt höhere Verschuldungskapazität, Geschwindigkeit, strukturelle Flexibilität und den Verzicht auf Eigenkapitalverwässerung. Den vollständigen Vergleich von Private Debt und Bankkredit für CFOs behandelt ein eigener Beitrag.
Welche versteckten Kostenfaktoren gibt es?
Neben Marge und Standardgebühren gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die den effektiven Yield erhöhen können und in der reinen Margenbetrachtung oft untergehen. Sie gehören in jede ehrliche Kostenrechnung.
- Ticking Fees: Gebühren auf zugesagtes, aber während einer Ramp-up- oder Akquisitionsphase noch nicht gezogenes Kapital.
- Monitoring- und Agency-Gebühren: laufende Vergütung für die Verwaltung der Fazilität und die Rolle des Agenten.
- Amendment- bzw. Waiver-Gebühren: fällig, wenn der Kreditvertrag nachträglich geändert oder ein Covenant-Verstoß genehmigt werden muss.
- MFN-Klauseln (Most-Favoured-Nation): sie können die Marge nachträglich anheben, wenn später teureres Fremdkapital aufgenommen wird.
- Default-Zinsen und Breakage Costs: Aufschläge bei Verzug bzw. Kosten bei vorzeitiger Auflösung außerhalb der Zinsperiode.
Hinzu kommt ein indirekter, aber realer Kostenfaktor: der interne Aufwand für ein engmaschiges Covenant- und Reporting-Regime, das Private-Debt-Geber in der Regel verlangen.
Lohnt sich der Aufpreis gegenüber dem Bankkredit?
Der Aufpreis lohnt sich, wenn Verschuldungskapazität, Geschwindigkeit, Flexibilität oder der Verzicht auf Eigenkapitalverwässerung den Mehrpreis rechtfertigen. Für eine reine, gut bankable Senior-Finanzierung ist der Bankkredit dagegen meist günstiger.
Der wirtschaftliche Vergleich ist selten ein reiner Zinsvergleich. Wer über Private Debt eine höhere Gesamtverschuldung darstellen kann, finanziert eine Akquisition möglicherweise erst dadurch; wer schnell zum Closing kommt, sichert sich ein Zeitfenster, das eine Bank nicht halten könnte; und wer eine nachrangige Schicht einzieht, senkt seinen Eigenkapitaleinsatz. Genau dort, wo eine Standardbank nicht mehr finanziert, liegt der Wert von Private Debt — etwa in komplexen Finanzierungen, die Standardbanken ablehnen. Als eigentümergeführtes Finanzierungshaus kombiniert DICAMA dafür Private Debt bei Bedarf mit Nachrangdarlehen, Schuldscheindarlehen sowie Sanierungs- und Bridgeloans.
Fazit
Die Kosten von Private Debt sind transparent zerlegbar: Basiszins plus Marge plus Gebühren, ergänzt um versteckte Faktoren, die in die Gesamtrechnung gehören. Für eine deutsche Mid-Cap-Unitranche liegt der All-in-Yield derzeit bei grob 8 Prozent — spürbar über dem Bankkredit, aber als Preis für Kapazität, Tempo und Flexibilität oft gerechtfertigt. Die ehrliche Frage ist nicht „teurer oder günstiger“, sondern „rechtfertigt der Nutzen den Aufpreis im konkreten Fall“.
DICAMA AG strukturiert und platziert als eigentümergeführtes Finanzierungshaus passgenaue Private-Debt-Lösungen für den Small- und Mid-Cap-Mittelstand und macht die Kosten von Anfang an transparent — von der ersten Indikation über das Term Sheet bis zum Closing. Sprechen Sie uns an für eine maßgeschneiderte Finanzierungsstruktur.
Quellen
- EMMI / euribor-rates.eu: Aktuelle Euribor-Sätze (3M 2,299 %, 6M 2,549 %; Stand 03.06.2026)
- Carlsquare Debt Advisory: European Debt Markets Q3 2025 (deutsche Unitranche-Marge ~525 bps vs. Bank ~377 bps, 12.11.2025)
- Lincoln International: European Senior Debt Index Q3 2025 (9,4 %, Stichtag 30.09.2025) — die granularen Senioritäts-Margenbänder sind illustrativ (US-/SOFR-Marktbeobachtung) und nicht öffentlich verifizierbar
- Deutsche Bundesbank: MFI-Zinsstatistik, Neugeschäft Unternehmenskredite > 1 Mio. € (~3,13 %, September 2025 / Ende Q3 2025)
- Europäische Zentralbank: Leitzinsen (Einlagesatz 2,00 % seit 11.06.2025)
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Finanzierungsempfehlung dar. Die DICAMA AG übernimmt keine Haftung für die Vollständigkeit oder Aktualität der dargestellten Informationen. Für individuelle Finanzierungsentscheidungen konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Berater.
